Vom IT-Support zum eigenen Online-Business: Warum Umwege manchmal genau der richtige Weg sind

Vor kurzem war ich bei Silke Fernández zu Gast und durfte mit ihr über meinen beruflichen Weg, meine Selbstständigkeit und darüber sprechen, wie und warum ich heute eigentlich das mache, was ich mache.

Silke Fernández ist Coach und Mentorin für Frauen mit Berufserfahrung, die sich danach sehnen, auf einem sinnvollen Weg zu sein. Sie begleitet sie dabei, ihre Richtung zu finden, ohne dafür alles hinzuwerfen oder ihr bisheriges Leben komplett auf den Kopf stellen zu müssen.

Im Gespräch haben wir nicht nur über Business und Websites gesprochen, sondern auch darüber, was ich früher einmal werden wollte, warum ich mich selbständig gemacht habe und was Erfolg, Sicherheit und Berufung für mich bedeuten.

Schau dir gern direkt das Video-Interview an, oder lies unter dem Video eine Zusammenfassung:

Einen ganz geradlinigen Weg nach dem Motto „Ich wusste schon mit 18, was ich einmal machen möchte“ hatte ich definitiv nicht. Mein erster Berufswunsch, an den ich mich erinnern kann, war zum Beispiel Synchronsprecherin. Mich hat das Erzählen ohne sich zeigen zu müssen total fasziniert - bis ich herausgefunden habe, dass man für den Beruf eine Schauspielausbildung braucht ... und damit war das Thema für mich ziemlich schnell erledigt. 😉 Nach diversen anderen Ideen - unter anderem Hotelfachfrau und Fotografin - bin ich schließlich in der IT gelandet.

Von der Fachinformatikerin über Bioinformatik zum eigenen Business

Mit 20 habe ich (nach einem Auslandsjahr als Au Pair in Spanien) eine Ausbildung zur Fachinformatikerin für Systemintegration gemacht und danach einige Jahre im IT-Support gearbeitet.

Das hat mir richtig viel Spaß gemacht. Ich mochte dieses schnelle Umfeld und die Technik sowieso. Irgendwann hatte ich aber das Gefühl, dass ich eigentlich immer nur „Brände lösche“ und mir etwas Tiefe fehlt.

Also habe ich Bioinformatik studiert, unter anderem in den Niederlanden und Spanien.

Ich hatte vorher eine ziemlich tolle Vorstellung von Forschung, unter anderem durch Serien wie „Bones“. In der Realität habe ich dann festgestellt: Hm, irgendwie doch nicht meins. Also das Fachgebiet Bioinformatik ist absolut fantastisch - aber die Ausübung vom Beruf in der Praxis dann doch nicht so, wie ich dachte.

Und so war das bei mir tatsächlich häufiger: Ich fand etwas spannend, habe es ausprobiert und dann im Alltag festgestellt, dass es doch nicht so gut zu mir passt wie gedacht - aber das ist für mich überhaupt kein Problem. Ich hatte nie das Gefühl, dass deshalb alles umsonst war. Auch ein Studium in einem Bereich, in dem ich heute nicht mehr arbeite, hat mich weitergebracht. Ohne viele dieser Erfahrungen könnte ich Einiges von dem, was ich heute mache, gar nicht machen.

Nach dem Studium bin ich schließlich im Technical Writing gelandet und habe unter anderem Software-Dokumentationen geschrieben, Video-Tutorials aufgenommen und Software systematisch getestet. Also im Grunde schon einiges von dem, was heute wieder Teil meiner Arbeit ist.

Websites waren ursprünglich einfach ein Hobby

Dass ich irgendwann einmal mit Websites mein Geld verdienen würde, war überhaupt nicht geplant.

Als ich mit 19 als Au-pair in Spanien war, habe ich eine eigene Au-pair-Website aufgebaut, um mich mit anderen Au-pairs auszutauschen. Wie das technisch funktioniert, habe ich mir einfach selbst beigebracht.

Und weil Menschen offenbar davon ausgehen, dass jemand, der „irgendwas mit Computern“ macht, automatisch alles rund um Computer, Handys, Druckern etc. kann, kamen später immer wieder Bekannte auf mich zu, die eine Website brauchten - so entstanden Websites für eine Hundezüchterin, eine Pferdetherapeutin, eine Druckereifirma, eine Studentenvereinigung und auch für einige meiner eigenen Hobbyprojekte.

Als meine Tochter ungefähr ein Jahr alt war und wir gerade mit der Kita-Eingewöhnung angefangen hatten, begann Corona. Die Vereinbarkeit mit meinem damaligen Job und geschlossenen Kitas wurde zunehmend schwierig. Nach kurzer Zeit dachte ich:

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Also habe ich mich selbstständig gemacht und zunächst vor allem WordPress-Support angeboten. Aus etwas, das vorher jahrelang eher ein Hobby und ein Nebenskill gewesen war, ist so nach und nach mein Business entstanden.

Warum mein Business heute so gut zu mir passt

Was ich an meiner heutigen Arbeit besonders mag: Sie verbindet unglaublich viele unterschiedliche Dinge, die mir Spaß machen.

Da ist natürlich die Technik. Ich liebe es tatsächlich, mich in neue Tools einzuarbeiten und herauszufinden, wie etwas funktioniert. Und gerade durch die ganzen Entwicklungen rund um KI gibt es ständig etwas Neues zu lernen.

Gleichzeitig arbeite ich sehr eng mit anderen Menschen zusammen, begleite sie, gebe Feedback und tausche mich mit ihnen aus.

Dazu kommen Schreiben, Texte und Kreativität.

Und: Management, Business, Planung und Organisation.

Eigentlich sind ziemlich viele Bereiche abgedeckt, die ich gerne mag.

Was natürlich fehlt, ist die klassische Sicherheit eines festen Gehalts.

Dafür habe ich die Freiheit, meine Zeit selbst einzuteilen, von verschiedenen Orten aus zu arbeiten und auch mein Business zu verändern, wenn etwas irgendwann nicht mehr zu mir passt.

Heute unterstütze ich vor allem Solo-Selbstständige dabei, über ihre Website Kund*innen zu gewinnen - und zwar möglichst, ohne dafür ständig auf Social Media präsent sein zu müssen.

Auch das hat viel mit meinem eigenen Leben zu tun.

Mit zwei Kindern hatte ich weder die Zeit noch besonders große Lust darauf, ständig neuen Social-Media-Content zu produzieren und irgendwelche Contentpläne zu befüllen - also habe ich für mich nach einem anderen Weg gesucht.

Über die Website können Menschen mich zum Beispiel über Suchmaschinen finden oder mittlerweile auch über KI auf mich aufmerksam werden. Von dort kommen sie im besten Fall in meinen Newsletter und ich kann regelmäßig mit ihnen in Kontakt bleiben und darüber meine Kurse oder meine 1:1-Angebote verkaufen.

Das ist die Art von Marketing, die wesentlich besser zu mir und meinem Alltag passt.

Der Weg in die Selbstständigkeit muss nicht von heute auf morgen passieren

Im Interview ging es natürlich auch darum, was ich Frauen raten würde, die gerade merken: So wie bisher möchte ich eigentlich nicht bis zur Rente weitermachen.

Und da finde ich einen Punkt besonders wichtig:

Man sollte nicht erwarten, dass man heute eine Entscheidung trifft und ab morgen plötzlich sein komplett neues Leben lebt.

Das Ganze ist ein (meist laaanger) Prozess.

Auch wenn sich mein Weg heute relativ leicht erzählen lässt, gab es auch bei mir Tage, an denen ich verzweifelt war. Mein Studium war zum Beispiel teilweise unfassbar schwierig und ich habe über Jahre sehr viel Zeit ins Lernen gesteckt und viele andere Bereiche vernachlässigt (dafür aber auch Cum Laude abgeschlossen 😎).

Genauso wenig würde ich jeder Person empfehlen, von heute auf morgen ihren Job zu kündigen und ab dem nächsten Monat von der Selbstständigkeit leben zu müssen. Vielleicht kann man erst einmal die Stunden reduzieren, oder abends oder am Wochenende anfangen, sich etwas aufzubauen.

Wenn ich sofort davon abhängig bin, dass mein neues Business genug Geld einbringt, entsteht natürlich auch ein enormer Druck.

Und bis eine Selbstständigkeit finanziell wirklich sicher auf eigenen Beinen steht, dauert es in den meisten Fällen einfach eine Weile.

Etwas gut zu können reicht nicht

Gleichzeitig glaube ich, dass es nicht reicht, sich nur zu fragen:

Was kann ich gut?

Wenn ich meinen Job aufgebe und etwas Eigenes aufbaue, würde ich immer auch schauen: Was erfüllt mich eigentlich? Was macht mir wirklich Spaß? Denn nur weil ich etwas gut kann, heißt das noch lange nicht, dass ich es jeden Tag machen möchte.

Ein großes Thema ist dabei für viele Frauen auch, überhaupt Geld für etwas zu verlangen, das ihnen vielleicht sogar leichtfällt oder Spaß macht... das kenne ich auch von mir selbst sehr gut.

Ganz am Anfang meiner Selbstständigkeit war ich eher an dem Punkt: Oh mein Gott, eigentlich müsste ich den Leuten wahrscheinlich noch Geld dafür geben, dass ich für sie arbeiten darf.

Mit der Zeit habe ich verstanden und erlebt, dass meine Arbeit natürlich einen Wert hat.

Meine Kund*innen sparen Zeit, bekommen eine Abkürzung und bessere Ergebnisse, weil ich weiß, was ich tue.

Aber auch das war bei mir ein Weg.

Genau deshalb ist mir heute auch wichtig, andere Frauen dabei zu unterstützen, finanziell unabhängig zu sein und sich selbst mehr zuzutrauen - gerade auch als Mutter.

Nicht einfach nur zu funktionieren, sondern sich zu fragen:

Wie möchte ich mein Leben eigentlich gestalten?

Und dann gibt es noch die Dinge, die einfach nur Spaß machen dürfen

Ein ziemlich wichtiger Teil meines Lebens ist das Schreiben.

Ich habe schon als Kind wahnsinnig gerne geschrieben, arbeite aktuell an einem Roman und erstelle außerdem ein Journal für Mütter. Gerade beim Schreiben merke ich gerade, wie schön es ist, auch etwas zu haben, an das erst einmal gar keine großen Erwartungen gestellt werden.

Es gibt mir Energie, Kraft und Freude und ich kann mich dabei einfach ausprobieren.

Vielleicht entsteht daraus irgendwann noch ein zweiter Einkommensstrom - vielleicht aber auch nicht. Ich bin kein Fan davon, dass alles, was wir in unserem Leben machen, unbedingt einen Nutzen haben, erfolgreich sein oder Geld bringen muss. Wir dürfen auch Dinge machen, weil sie uns einfach Spaß machen.

Gibt es einen roten Faden in meinem beruflichen Weg?

Im Interview wurde ich gefragt, ob ich rückblickend einen roten Faden in meinem Weg erkennen kann.

Und tatsächlich glaube ich, dass meine berufliche Entwicklung ziemlich gut dazu passt, wie ich mich selbst über die Jahre verändert habe.

Mit Anfang 20 war mir Sicherheit sehr wichtig.

Die IT war logisch und berechenbar. Ich musste mich nicht groß präsentieren oder besonders viel von mir persönlich zeigen. Ich konnte meine Arbeit machen und wusste, woran ich war.

Später habe ich angefangen, mich immer mehr zu trauen.

Auch in meiner Selbstständigkeit habe ich zunächst vor allem technische Anleitungen erstellt. Da konnte im schlimmsten Fall jemand sagen: „Das ist veraltet.“

Heute arbeite ich dagegen auch als Mentorin, gebe Feedback und sage ganz klar, wie ich bestimmte Dinge sehe.

Natürlich kann jemand darauf antworten: „Sehe ich komplett anders.“

Damit kann ich heute umgehen.

Vor einigen Jahren hätte ich das vom Selbstbewusstsein her wahrscheinlich noch nicht gekonnt.

Und vielleicht ist genau das der rote Faden: Meine Arbeit hat sich immer ein Stück weit mit mir weiterentwickelt.

Erfolg, Sicherheit und Berufung

Zum Abschluss des Interviews hat Silke mir verschiedene Begriffe genannt, zu denen ich spontan sagen sollte, was mir dazu einfällt.

Bei Berufung war meine erste Reaktion:

Ich glaube, Berufung darf sich über das Leben verändern. Ich glaube nicht daran, dass jeder Mensch mit genau einer Berufung geboren wird und wir diese nur finden müssen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die wir ausprobieren dürfen und die sich auch wieder verändern dürfen.

Bei Erfolg denke ich ähnlich. Erfolg muss nicht für jeden bedeuten, möglichst viel Geld zu verdienen. Für mich gehört dazu, zufrieden zu sein, tolle Menschen um mich herum zu haben, gut leben zu können und mein Leben so gestalten zu können, wie ich es möchte.

Und dann kam der Begriff Sicherheit. Meine ziemlich spontane Antwort darauf war: Sicherheit ist total überbewertet.

Denn komplette Sicherheit gibt es meiner Meinung nach sowieso nicht. Auch ein vermeintlich sicherer Job kann plötzlich weg sein. Das bedeutet für mich nicht, völlig unüberlegt irgendwelche Risiken einzugehen. Gerade bei einer Selbstständigkeit finde ich es wichtig, sich vorher über Finanzen, Steuern, Versicherungen und mögliche Unterstützung zu informieren und nicht einfach davon auszugehen, dass schon alles irgendwie funktionieren wird.

Aber ich frage mich bei vielen Entscheidungen:

Was kann im schlimmsten Fall passieren?

Wenn eine Idee nicht funktioniert, kann ich etwas anderes ausprobieren. Wir könnten irgendwann wieder nach Deutschland ziehen. Ich könnte mir theoretisch wieder einen Angestelltenjob suchen.

Nicht jede Entscheidung muss für immer sein.

Und wahrscheinlich gilt genau das auch für die Berufung.

Vielleicht müssen wir gar nicht diesen einen perfekten Weg finden... vielleicht dürfen wir einfach ausprobieren, feststellen, dass etwas doch nicht passt, uns weiterentwickeln und dann den nächsten Schritt gehen.

Genau so ist zumindest mein eigener Weg bisher entstanden.

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Stefanie Motiwal

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